Symbiose von Gesundheit und Gebäudetechnik

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Da rund 90 Prozent des täglichen Lebens heutzutage innerhalb von Gebäuden stattfindet, hängt die Gesundheit von dem Umfeld in Gebäuden ab. Grund genug, den Informationstag 2017 thematisch auf „Mehr Lebens-und Arbeitsqualität durch gesunde Gebäude“ auszurichten.

Ob Menschen gesund sind oder nicht, hängt gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO auch von ihrer Umwelt und den jeweiligen Lebensumständen ab. Da rund 90 Prozent des täglichen Lebens heutzutage innerhalb von Gebäuden stattfindet, hängt die Gesundheit von dem Umfeld in Gebäuden ab. Grund genug, den Informationstag des VDMA-Forums Gebäudetechnik am 13. September thematisch auf „Mehr Lebens-und Arbeitsqualität durch gesunde Gebäude“ auszurichten.

Damit Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung nicht beeinträchtigt werden, müssen Umweltstressoren wie Lärm, Hitze, hohe Luftfeuchte oder extreme Lufttrockenheit sowie Blendung reduziert werden. Genau an dieser Stelle kann Gebäudetechnik helfen; und dank der KfW stehen innovative Förderprogramme zur Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen und Digitalisierung zur Verfügung.

Feuchte Wohnungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen der Atemwege. Das Fraunhofer Institut hat die Wirkung von Feuchte und Schimmel analysiert und dabei festgestellt, dass 2.2 Mio. Menschen Asthma haben, weil sie in feuchten Wohnumgebungen leben. Die Sanierung und Modernisierung von Gebäuden können hier dazu beitragen, die Beschwerden, die beim Aufenthalt in entsprechenden Räumen entstehen, zu reduzieren.

Mit der Bestimmung der optimalen Luftfeuchte befindet man sich aber auch nach wie vor in einem Zielkonflikt. Zum Schutze des Gebäudes und zur Vermeidung von Schimmelbildung gilt „je trockener desto besser“. Um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, empfiehlt sich aber eine relative Feuchte von 40–60%, sagte Dr. Alexander Hoh, Trox GmbH. Moderne Lüftungs- und Klimasysteme tragen in diesem Sinne dazu bei, eine optimale Raumluftqualität zu erreichen.  

Mit Blick auf die thermische Behaglichkeit ist die Einschätzung sehr subjektiv. Schon in den 70er Jahren zeigte der dänische Professor Ole Fanger auf, dass bei der Einschätzung der Raumtemperatur der Anteil der Unzufriedenen nie unter 5% sinkt.  Behaglich ist ein Raumklima demnach dann, wenn über 90% der Betroffenen dies auch so bewerten. Zur Erreichung stehen hier unter anderem verschiedene Regelungstechniken für die Heizung zur Verfügung. Florian Wiemeyer, Oventrop GmbH, machte jedoch darauf aufmerksam, dass jedes Grad mehr auch mehr kosten wird. Die Gefahr des Rebound-Effekts, wonach Menschen Einsparungen wegen effizienterer Technik durch höheren Konsum kompensieren, ist ebenso nicht zu unterschätzen.   

Bereits in der Planungsphase kann die Digitalisierung, Nutzerwünsche einbinden und Simulationen von Leistungskennwerten durch psychologische Wirkungen ergänzen. Der Einsatz eines digitalen Zwillings mit der Arbeits- und Kommunikationsmethode Building Information Modeling (BIM) unterstützt die Erreichung eines optimalen Betriebs und eine hohe Nutzerzufriedenheit, so Dr. Andreas Liebl, Fraunhofer Institut für Bauphysik.
Anhand des BIM-Praxisbeispiels „Neubau Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt“ wurde bestätigt, wie wichtig es war, dass bereits in der BIM-Planungsphase die wichtigsten Akteure „am Tisch saßen“ und gemeinsame Ziele definierten. Spannungsfelder zwischen Architekten und Bauherr, ob man z. B. das Fenster öffnen kann oder ob es Vorhänge bzw. Jalousien gibt, konnten in der frühen Leistungsphase geklärt werden. Andreas Pilot, Angela Fritsch Architekten GmbH, konnte durch seine Erfahrung als BIM-Manager nur unterstreichen, dass ein früher Austausch der Akteure Spannungsfelder frühzeitig abbaut und dadurch eine Symbiose zwischen Gesundheit und Architektur entstehen konnte.

Krankenhäuser im Bestand stehen oftmals sehr spezifischen Herausforderungen gegenüber. Wolfgang E. Siewert, Apleona HSG Facility Management GmbH und Fachvereinigung Krankenhaustechnik, berichtet, dass man häufig High-Tech-Medizin auf der einen und veraltete bis marode technische Infrastruktur auf der anderen Seite zur Verfügung hat. Und wie soll da eine intelligente Gebäudeleittechnik die in die Jahre gekommene Heizungs- und Klimaanlage effizient steuern?

Thomas Richter, Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG, stellte in seinem Vortrag vor, wieviel Gesundheit im Bad steckt. Nicht nur, dass das Badezimmer ein Platz des Rückzugs und der Ruhe ist, sondern es kann sogar zu einem Teil der persönlichen Gesundheitsstrategie werden. Wasser wirkt und kann sich bei richtiger Anwendung in einem entsprechenden Umfeld sehr positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken, betonte Richter.

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