Branchenportrait: Aufzüge und Fahrtreppen

Die Aufzugsindustrie ist im Wesentlichen (ca 80% der Auftragseingänge für Neuanlagen) im VDMA Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen organisiert. Der Jahresumsatz (Inland) dieser Branche beträgt mehr als zwei Milliarden Euro. Es gibt insgesamt rd. 650.000 installierte Anlagen für Personenbeförderung in Deutschland und ca. 30.000 Fahrtreppen.

Die Struktur der deutschen Aufzugsindustrie ist dadurch geprägt, dass neben einem breiten Mittelstand nur vier Unternehmen zu den internationalen Konzernen gehören. Das sind auch gleichzeitig die Firmen, die im Fahrtreppengeschäft tätig sind. Der Gesamtmarktanteil für Neuanlagen dieser BIG 4, das sind die Firmen Schindler, Thyssen, Otis und Kone beträgt ca. 60%. Der Aufzugs-Mittelstand hat entsprechend ebenfalls einen Marktanteil von ca. 40% bei Neuanlagen. Diese Zahlen sind Hochrechnungen des Fachverbands auf der Basis von Umfragen für die Gesamtbranche.

Die Konjunkturentwicklung der Branche steht in sehr engem Zusammenhang mit der Entwicklung der relevanten Bautätigkeit. Der Preiswettbewerb zwingt die Branche zu ständigen Rationalisierungs- und Innovationsmaßnahmen. Technische Innovationen wie der Maschinenraumlose Aufzug sind ein Lichtblick. Der Auftragseingang im Seilaufzugsbereich ohne Maschinenraum bestimmt mittlerweile weit mehr als zwei Drittel des Aufzugsmarktes. Aus diesem Grunde ist in den letzten Jahren eine Verschiebung der Nachfrage von Hydraulik- zu Seilaufzügen festzustellen. Die Nachfrage nach Hydraulikaufzügen sinkt seit 1998 kontinuierlich. Neben der technischen Innovation wie dem maschinenraumlosen Aufzug tragen auch die Regelungen des Wasserhaushaltsgesetzes zu diesem Trend bei. Den Verdrängungswettbewerb bei Neuanlagen versucht die Branche durch die Modernisierung und Aufrüstung von Altanlagen zu kompensieren.

Neue Technologien für urbane Mobilität
Seit einigen Jahren befindet sich die Branche in einem einem technologischen Umbruch, der nach Inkrafttreten der europäischen Aufzugsrichtlinie insbesondere durch die zuvor nicht mögliche Entwicklung des triebwerksraumlosen Aufzugs einsetzte. Die Einhaltung der europäischen Normen EN 81-1 für Seilaufzüge und EN 81-2 für hydraulische Aufzüge stellt den sehr hohen Sicherheitsstandard von Aufzugsanlagen europaweit sicher. Nicht umsonst sprechen wir heute vom Aufzug als dem sichersten Verkehrsmittel.
Dazu sollen auch die  Empfehlungen der EU-Kommission (95/216/EG) beitragen, die in 10 wesentlichen Punkten für ältere Aufzugsanlagen die Anpassung an das Sicherheitsniveau von Neuanlagen fordern. Darüber hinausgehende weitere potentielle Gefährdungen bei Altanlagen wurden im Rahmen der Arbeiten zum europäischen technischen Regelwerk identifiziert und in einer Norm mit Einschätzung des Risikos und Angaben zu möglichen Änderungsmaßnahmen (EN 81-80) publiziert. Die Anwendung dieser Norm obliegt den Mitgliedsstaaten im Rahmen rechtsstaatlicher Verordnungen, wozu in Deutschland die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) gerechnet werden kann.

Im Rahmen der Rechtsvereinfachung wurden neben anderen technischen Produkten (Arbeitsmittel) auch die Aufzüge in die Ende 2002 verabschiedete Betriebssicherheitsverordnung aufgenommen. Die somit vorher vom Arbeitsschutzgesetz und dem Recht der überwachungsbedürftigen Anlagen an den Betrieb der Aufzüge gestellten Anforderungen finden sich somit – teilweise in sehr produktunspezifischer Form – in dieser Verordnung wieder. Die Betriebsicherheitsverordnung ist eine Chance, bei älteren Aufzugsanlagen die Sicherheit der Benutzer, des Instandhaltungspersonals und des Prüfpersonals zu erhöhen. Es hat sich mittlerweile ein Verfahren eingestellt, bei dem die Technischen Überwachungsvereine auf Basis der EN 81-80 einen Soll/Ist-Vergleich der Anlage anbieten und auch für spätere sicherheitstechnische Betrachtungen und Gefährdungsanalysen zur Verfügung stehen. Damit verknüpft sind natürlich auch die Erwartungen der Aufzugsindustrie, in diesem Bereich sowohl etwas zur Sicherheit der Benutzer als auch zur Erhaltung der Arbeitsplätze beitragen zu können.