EU-Renovierungswelle – Zusammenfassung der wichtigsten Maßnahmen

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Am 14. Oktober 2020 erfolgte in Brüssel die Veröffentlichung der Maßnahmen und Pläne zur EU-Renovation Wave, das zum Ziel hat, die Renovierungsrate im Gebäudebereich deutlich zu verbessern. Seit mehr als einer Dekade wird allgemein von einer Renovierungsrate von rd. einem Prozent ausgegangen.

Diese Zahl ist allerdings eine Schätzgröße. Bemerkenswert ist dennoch, dass es trotz vieler Anstrengungen in Deutschland, aber auch in Europa offenbar nicht gelungen ist, die Eigentümer von Gebäuden in Europa zu einer vermehrten energetischen Ertüchtigung des Gebäudebestandes zu bewegen.

Die Renovation Wave macht derzeit dafür insbesondere Vorschläge und Empfehlungen, darunter werden die folgenden Themen berücksichtigt: 

EPBD-Überarbeitung soll bis Ende 2021 vorgeschlagen werden

● Vorschlag zur Einführung verbindlicher Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz aller Arten von Gebäuden in der EPBD

Einige Mitgliedstaaten haben beschlossen, dies durch die Einführung von Mindestperformancestandards bis zu einem bestimmten Stichtag oder zu bestimmten Zeitpunkten während der Lebensdauer eines Gebäudes anzugehen. Solche Anforderungen bieten stabile Rahmenbedingungen für Investoren und Geschäftserwartungen und funktionieren am besten in Kombination mit Energieausweisen und Förderprogrammen. Zu den Vorteilen eines solchen regulatorischen Vorstoßes gehört es, einen klaren Rahmen für die Entscheidungsfindung in Gebäuden mit mehreren Eigentümern vorzugeben, die Gesamtenergieeffizienz für den Wert eines Gebäudes widerzuspiegeln und dem allgemein geringen Bewusstsein für die Vorteile der energetischen Sanierung abzuhelfen. Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz könnten mit einer Förderung gekoppelt werden, die die zusätzlichen monatlichen Kosten der Eigentümer begrenzt. In den Folgenabschätzungen, die diese Gesetzesrevisionen begleiten, werden verschiedene Optionen in Bezug auf Höhe, Umfang und Zeitpunkt dieser Anforderungen geprüft.

Beispiele aus Long Term Renovation Strategies:

  • Frankreich hat zu diesem Zweck einen progressiven Maßnahmenkatalog verabschiedet, beginnend mit einem Verbot der Mieterhöhung bei Gebäuden mit schlechter energetischer Performance ("passoire énergétique", keine bestätigte energetische Performance) ab 2021, einem Vermietungsverbot ab 2023 und einer Verpflichtung zur Renovierung aller Gebäude mit besonders schlechter energetischer Leistung ab 2028.
  • In den Niederlanden müssen alle Bürogebäude bis 2023 der EPC-Klasse C und bis 2030 der EPC-Klasse A entsprechen.
  • In Belgien erwägt Flandern auch politische Vorschläge für ein Mindestniveau der EPC für Nichtwohngebäude ab 2030 und ein Mindestniveau der EPC für die Vermietung von Wohngebäuden.

● Revision der Energieausweise

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Lösungen zur Messung und Analyse der Energieleistung während der Gebäudenutzung zur Verfügung stehen, wird die Kommission vorschlagen, den EPC-Rahmen unter Berücksichtigung neuer Technologien zur Messung der energetischen Performance zu aktualisieren. Dazu gehört auch die Prüfung eines einheitlichen maschinenlesbaren Datenformats für die Zertifikate in der EU und strengere Bestimmungen zur Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Datenbanken für EPCs.

● Stufenweise umfassende Renovierung - Vorschlag zu Ausweisen für die Renovierung von Gebäuden und Einführung eines einzigen digitalen Instruments, das diese mit digitalen Gebäudelogbüchern vereinheitlicht (bis 2023) 

Eine alle Gewerke umfassende Renovierung (Deep Renovation) ist nicht immer auf einen Schlag zu erreichen. Deshalb ist es wichtig, bessere Voraussetzungen für eine stufenweise Renovierung zu schaffen. Die Kommission wird digitale Gebäudelogbücher einführen, die alle gebäudebezogenen Daten, die von den geplanten Gebäuderenovierungsausweisen, Smart Readiness Indicator, und EPCs bereitstellen, um Kompatibilität und Integration der Daten während der gesamten Renovierungsreise zu gewährleisten. (Digitale Gebäudelogbücher werden als digitale Speicher für Daten zu einzelnen Gebäuden dienen und den Informationsaustausch innerhalb des Bausektors sowie zwischen Gebäudeeigentümern und -mietern, Finanzinstitutionen und Behörden erleichtern)

● Überlegungen zur Einführung eines "Deep Renovation"-Standards 

Als Teil der EPBD-Revision wird die Kommission auch die Einführung eines Standards für "Deep Renovation" in Erwägung ziehen, um die Verankerung bedeutender privater Finanzierung in transparenten, messbaren und wirklich "grünen" Investitionen zu ermöglichen.

EED Revision soll bis Juni 2021 vorgeschlagen werden 

● Vorbildfunktion von öffentlichen Gebäuden - Ausweitung der Anforderungen an die Gebäudesanierung auf alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung

Angesichts des begrenzten Umfangs der bestehenden gesetzlichen Anforderungen an die Renovierung öffentlicher Gebäude wird die Kommission bis Juni 2021 vorschlagen, den Umfang der Anforderungen auf alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung auszuweiten und die jährliche Renovierungsverpflichtung im Rahmen der Überarbeitung des EED zu erhöhen. In den Folgenabschätzungen, die diese Gesetzesrevisionen begleiten, werden verschiedene Optionen in Bezug auf Höhe, Umfang und Zeitpunkt dieser Anforderungen geprüft.

● Neue Maßnahmen zur Förderung des Einsatzes von ESCOs und Energiedienstleistungsverträgen

Die Kommission wird auch vorschlagen, den Einsatz von Energiedienstleistern und Energiedienstleistungsverträge, die sich in einigen Mitgliedstaaten als gut funktionierend erwiesen haben, durch die bevorstehende Überarbeitung des EED auszuweiten, um Renovierungen für alle Haushalte erschwinglich zu machen, auch für solche, die nur begrenzt in der Lage sind, die vorab entstehenden Kosten zu decken.
Es wird erwartet, dass Energiedienstleitungen auch in Private-Public Partnerships eine größere Rolle spielen, um Investitionen zu bündeln, die Vorlaufkosten zu senken und die Energieeinsparungen effizienter zu erzielen. Die Kopplung von Energiedienstleistungsverträgen mit Resiliency Contracting durch Versicherer kann dem Markt beim Management der Investitionsrisiken helfen, da die Versicherer über das Know-how zur Bewertung von Umwelt-, Klima- und anderen Risiken verfügen.

● Überarbeitung der Anforderungen an Energie-Audits

Die Kommission wird die Notwendigkeit einer Ausweitung der Anforderungen an Energieaudits auf größere und komplexere Nicht-Wohngebäude prüfen.

Die wichtigsten Dokumente mit allen Infos sind hier zu finden:

  • Renovation Wave Strategy (LINK)
  • Press Release “Renovation Wave: doubling the renovation rate to cut emissions, boost recovery and reduce energy poverty” (LINK)
  • Questions and answers (LINK)
  • Annex to the Renovation Wave – key Commission actions and indicative timelines (LINK)
  • Factsheet on the Renovation Wave Strategy (LINK)
  • Factsheets on the new European Bauhaus (LINK)